Kassel Panoramen
Nicht öffentliche Orte
Weinberg Kassel - Luftschutzbunker und Stollenlabyrinth
Zu den geheimnisvollen Orten Kassels gehört u.a. die Unterwelt des Weinberges.
Ausführliche Informationen in einer virtuellen Führung durch den Weinberg, mit insgesamt 20 Panoramen, finden Sie hier.
Die Tour entstand mit freundlicher Unterstützung von Frau Bettina Busch und der Feuerwehr Kassel, welche auch für die Instandhaltung und Führungen durch den Weinbergbunker verantwortlich sind.
Nach und nach wird die Tour mit weiteren Infos und Links ergänzt.
Das Dorf „Weinberg“ wurde erstmals urkundlich im Jahr 1274 erwähnt und stand unterhalb
des jetzigen Weinbergs.
1385 wurde es durch die Belagerung der Soldaten des Erzbischofs von Mainz zerstört.
Die Stadt nutzte den Weinberg bis ins 17. Jahrhundert als Weinanbaugebiet.
Im 30-jährigen Krieg von 1618 – 1648 wurde der komplette Bestand an Rebstöcken zerstört.
Ab 1765 wurden in Frankreich Rebstöcke gekauft, um den Weinanbau wieder zu beleben.
Dies scheiterte allerdings an der Qualität des Weines.
Ab 1825 wurden die Besitzungen oberhalb des Weinbergs an Bürger verkauft,
die hier im Felsenkeller Stollen zum Bierlagern anlegten.
Auf dem Weinberg selber entstanden drei Biergärten für die angesehenen Bürger der Stadt.
Ab 1868 erwarb Oskar Henschel einen Teil des Grundstücks und lies im Laufe der Jahre
seine „Villa Henschel“ darauf bauen.
1887 erwarb er noch einen Teil des Weinberggrundstücks und nur noch ein einziger
Biergarten blieb erhalten.
Aber auch dieses Grundstück kaufte der Sohn Karl Henschel im Jahr 1898.
Der Ausschank des letzten Biergartens durfte noch bis 1901 fortgesetzt werden, danach war das Grundstück auf dem Weinberg der Öffentlichkeit entzogen.
Ab 1903 lies der Sohn Karl Henschel die Villa „Haus Henschel“ mit Nebengebäuden für die Bediensteten bauen.
Als Auflage der Stadt Kassel, musste Henschel die noch heute erhaltenen riesigen Stützmauern zur Frankfurter Straße hin errichten, um das Grundstück zu sichern.
Aus Protest gegen die zu hohe Hauszinssteuer wurde das „Haus Henschel“ 1932 abgerissen und die Villa im Krieg zerstört.
Im August 1959 erwarb die Stadt Kassel die Grundstücke wieder und machte sie der Öffentlichkeit zugänglich.
Den ersten schweren Luftangriff erlebte Kassel im September 1941.
Da Luftschutzräume gebraucht wurden, erinnerte man sich an die schweren
Eisentüren für das Stollenlabyrinth im Weinberg, die durch die Bierbrauer angelegt wurden
und entschied sich, das alte Stollenlabyrinth zum Bunker weiter auszubauen.
Dieser wurde im Jahr 1942 fertig gestellt und durch die Polizei an das Volk übergeben.
Der Weinbergbunker gab den Bürgern mehr Sicherheit als die anderen Bunker,
da dieser in den Berg hineinging und 35 Meter unter der Erde lag.
Auch war er von außen nicht als Bunker ersichtlich. Gedacht war er für 3.000 Personen,
allerdings haben hier im Krieg bis zu 10.000 Personen Zuflucht gefunden.
Der Weinberg ist nicht zu vergleichen mit einem „echten Bunker“.
Er sollte nur als Notlösung dienen - eine Notlösung, die vielen tausenden von Menschen
das Leben gerettet hat.
Gedacht war dieser Bunker auch nur zum kurzfristigen Aufenthalt,
nur so lange die Angriffe dauerten.
Aber nach dem Krieg haben die Menschen im Weinberg noch monatelang gelebt,
da durch den Krieg Kassel zerstört wurde und nur noch wenig Wohnraum vorhanden war.
Im Laufe der Jahre wurde die Anlage unterschiedlich genutzt.
Zum Beispiel haben hier die Firmen ihre Farben und Lacke gelagert.
Das Bekannteste war eine Champignonzucht. So haben Kinder im Alter von
12 – 14 Jahren hier den Pferdemist herein gebracht, die Champignons wurden ausgesät
und wenn sie gepflückt waren, wurde der Pferdemist wieder heraus
und neuer hinein gebracht.
1969 wurde der Bunker aufgeräumt und renoviert.
Das Stollenlabyrinth und der ehemalige Schutzbunker werden nur noch zu Führungen
genutzt. Der Weinberg besteht aus Muschelkalk und steht teilweise unter Denkmalschutz.
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